

Moderne Arbeitsplätze: In der rundum modernisierten Giesserei arbeiten unter anderem Anlagenführer, Gussformer und Gusstechnologen.
R. Nussbaum AG / PW
Gut in Form
Nussbaum hat die hauseigene Giesserei in Trimbach SO Schritt für Schritt modernisiert. Mit einer neuen Formanlage und einer modernisierten Gussnachbehandlung wurde nun die letzte strategische Etappe abgeschlossen. Die neuen Anlagen bringen mehr Präzision, Prozesssicherheit und Leistung. Die Kunden können sich somit weiterhin auf die beste Qualität im aktuellen Marktvergleich verlassen.
Seit 1907 betreibt Nussbaum eine Giesserei, seit 1973 steht diese in Trimbach. 2012 und 2016 wurden verschiedene Schmelz- sowie Vergiessöfen erneuert, 2022 eine neu erstellte Formsandaufbereitung in Betrieb genommen. Mit der neuen Formanlage und der modernisierten Gussnachbehandlung hat der Hersteller mit Direktvertrieb von Armaturen und Systemen für die Sanitär- und Heiztechnik sein Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz einmal mehr bekräftigt. Die umfangreiche Modernisierung der Giesserei sei nun abgeschlossen, sagt Michael Nussbaum, Projektleiter Produktionsentwicklung: «Die Formmaschine ist gewissermassen die Aorta der Giesserei.» Kein Wunder: Hier werden die Gussformen für die unzähligen Armaturen und Fittings aus Rotguss hergestellt. Seit Sommer 2024 kommt in Trimbach ausschliesslich die hauseigene, patentierte bleifreie Rotgusslegierung zum Einsatz.
Grosses Upgrade
Die Formmaschine dient zum Herstellen der Gussformen (Formkästen). Die alte Anlage war nahezu 40-jährig und litt unter immer höheren Unterhaltskosten bei immer schlechterer Ersatzteilverfügbarkeit. Die neue Anlage bringe zahlreiche Vorteile, erläutert Michael Nussbaum: «Menschliche Eingriffe sind kaum noch nötig. Neu sind auch Teilprozesse automatisiert, was eine sehr hohe Wiederholgenauigkeit mit sich bringt. Die Leistung liegt rund 15 Prozent höher als bei der alten Anlage. Zudem ist die Technologie zeitgemäss und bietet Potential für weitere Automatisierungen.»
Die Vorbereitung der Formkästen verläuft automatisch. Das Einlegen des Gusskerns wird weiterhin manuell ausgeführt. Eine ebenso heikle wie wichtige Aufgabe, erläutert Michael Nussbaum: «Wenn der Kern nicht sorgfältig und am genau richtigen Ort eingelegt wird, resultiert beim Guss nur Ausschussware. Das Kerneinlegen ist zudem die einzige und zugleich beste Möglichkeit für die Qualitätskontrolle des Formkastens.»
Heisse Sache
Ist der Kern am richtigen Platz, werden Oberkasten und Unterkasten verbunden, und die um 1200 Grad heisse bleifreie Rotgusslegierung wird eingegossen. Nach dem Erstarren und Abkühlen wird die gesamte Gusstraube von einem Roboter aus dem Formkasten gehoben und gereinigt. In der ebenfalls automatisierten Gussnachbehandlung wird die Gusstraube in die gewünschten Rohlinge und das sogenannte Kreislaufmaterial zerlegt. Dieses Material wird erneut eingeschmolzen. So können bei Nussbaum rund 98 Prozent des Kreislaufmaterials wiederverwendet werden. Damit die alte Anlage der Neuen Platz machen konnte, brauchte es umfangreiche Vorarbeiten. Um den mehrwöchigen Produktionsunterbruch infolge Demontage der Alten, Einbringen der neuen Anlage, Test und Inbetriebnahme aufzufangen, produzierte die Giesserei zwischen Anfang 2024 und Ende 2025 mehrere hunderttausend Rohlinge. «Dank einem enormen Einsatz unserer Mitarbeitenden, unter anderem mit Samstagsarbeit und Vierschichtbetrieb, konnten wir diese Vorproduktion leisten und blieben damit ohne Unterbruch lieferfähig», sagt Michael Nussbaum.
Sicherheit und Personalentlastung
Insgesamt beschäftigt Nussbaum rund 500 Mitarbeitende, davon 50 im Giessereibetrieb inklusive Instandhaltung und unterstützenden Prozessen. Nach wie vor werden in Trimbach auch Gussformer*innen EFZ sowie Gusstechnolog*innen EFZ ausgebildet. «Es freut mich sehr, dass wir diese Lehrstellen weiterhin anbieten – und dann erst noch mit modernen Arbeitsplätzen und in einem attraktiven Umfeld», sagt Michael Nussbaum. Über die Automatisierung werde oft schlecht gesprochen. Doch sie könne helfen, Mitarbeitende zu schützen und zu entlasten: «Strenge körperliche Arbeiten bei grosser Hitze oder Lärm, etwa die Separierung der Gusstrauben, übergibt man gerne einem Roboter.»




