Interview mit Michael Stoller, Restclean
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Michael Stoller: «Was Priskus Theiler und Roger Mäder hier aufgebaut haben, ist beeindruckend.» (Bilder: zVg)

13.05.2026
Fery Lipp

«Erfolg basiert klar auf starkem Team»

Mit einem bewährten Verfahren zur nachhaltigen Sanierung von Toilettenanlagen setzt Restclean seit 2011 Massstäbe im professionellen Toilettenunterhalt. Die Branche schätzt das Unternehmen schweizweit – auch für die praxisnahen Schulungen im eigenen Trainingscenter. Restclean wurde 2022 an die iTS Kanal Services AG verkauft. Seit Mai 2025 führt Michael Stoller als Geschäftsführer das Unternehmen. Im Interview spricht er über seine strategischen Ziele, frische Ideen und die Expansion in den deutschsprachigen Raum.

Michael Stoller, Sie haben ein etabliertes Unternehmen mit einer einzigartigen Lösung übernommen. Wie waren Ihre ersten Eindrücke?

Zuerst war da primär Respekt. Wie Sie bereits erwähnen, die Führung eines etablierten Unternehmens wie Restclean übernehmen zu dürfen, erfüllt mich mit Stolz. Restclean ist eine Firma mit klarer Positionierung und Methode, einem riesigen Ersatzteilsortiment und eingespielten Abläufen. Was Priskus Theiler und Roger Mäder hier aufgebaut haben, ist beeindruckend.

Der Erfolg basiert klar auf einem enorm starken Team. Jeder Handgriff sitzt, alle sind befähigt, Entscheidungen zu treffen und wir sind sehr praxisnah unterwegs. Man spürt jede Woche die Energie der Vorbereitung der Folgewoche, damit sowohl das Erlebnis unserer Kunden aber natürlich auch unserer Servicetechniker möglichst perfekt ist. Dieser Elan, Eigenständigkeit und doch enormer Teamspirit haben mich sehr beeindruckt.

Was mich auch positiv überrascht, ist wie stark Restclean als Partner in der Sanitärbranche mit rund 800 Partnern wahrgenommen wird. Ab und zu werden wir als Konkurrenz verstanden, was aber in der Realität als Ergänzung zum Sanitär zu verstehen ist. Wir sehen in einer Partnerschaft den Grundstein einer langjährigen Kundenbeziehung für beide Parteien.

 

Welche Punkte sind Ihnen in den ersten Monaten besonders aufgefallen?

Die Leistungstiefe, die Restclean mit dem patentierten Verfahren anbietet, ist sehr stark ausgeprägt. Es ist nicht einfach eine schnelle Reinigung, sondern ein ausgeklügeltes Verfahren, das alle Bereiche eines Spülvorgangs vom Spülkasten bis zum Siphon abdeckt.

Logistik ist ein zentraler Erfolgsfaktor, um möglichst effizient und nachhaltig zu agieren. Wie bereits eingehend erwähnt, werden alle aktuell 17 Servicetechniker wöchentlich aus Oberlunkhofen mit allen benötigten Servicematerial beliefert. Somit sparen wir uns etliche Wege ins Lager aus allen Ecken der Schweiz. Der Onlineshop und das Lager in Oberlunkhofen haben auch beeindruckende Dimensionen, die man zuerst einmal fassen muss. Fast zu jedem Spülsystem hat Restclean Ersatzteile bereit und bietet teilweise auch mit hauseigenen Weiterentwicklungen Hand, sollten infolge des Alters keine neuen Teile mehr produziert werden.

Was mich fast am meisten gefreut hat, ist die enorme Kundenorientierung, die bei Restclean bereits gelebt wird. Der Kundendienst leistet hier Ausserordentliches, damit unsere Kunden professionell, transparent und proaktiv bei allen Anliegen unterstützt werden. Dasselbe gilt auch für unsere allgemeine Kommunikation und die zuvorkommende Art unserer Servicetechniker. Ich denke diese enorme Leistung spiegelt sich auch in unserem NPS von 96 Punkten wider - auf den ich besonders stolz bin.

 

Welche Kernprinzipien und Projekte der bisherigen Führung - etwa die Bilderkennungs-Software zur Identifikation von Ersatzteilen (Spülkasten-Modelle) oder die Weiterentwicklung Ihres Entkalkungsgeräts Tornado - werden Sie fortführen?

Da ist meine Antwort klar. Wir führen weiter was funktioniert und einen echten Nutzen hat. Die beiden konkret angesprochenen Projekte führen wir daher definitiv weiter. Hinzu kommen auch neue spannende Pilotprojekte. Biofilm ist auch ein spannendes Thema und kompostierbare Verpackung für unsere Produkte sind nur weitere Felder. Vielmehr möchte ich hier aber noch nicht verraten.

 

Wo setzen Sie bewusst eigene Akzente?

Ich komme nicht aus der Sanitärwelt, sondern aus einer durch Prozesse, Technologie und PE getriebenen Welt. Zusätzlich war ich operativ immer sehr stark eingebunden und aktiv. Dies spiegelt sich auch in unserer Organisation wider. Unsere Geschäftsleitung besteht seit letztem Sommer neu aus David Kleiner, der vor allem den Fokus auf Verkauf und Marketing legt und aus mir mit primärem Fokus auf Strategie, Prozesse und Finanzen. Gemeinsam führen wir den operativen Bereich und treiben die Expansion voran. Mit dem Wissen aus der Sanitärpraxis und der Vertriebsstärke von David Kleiner ergänzen wir uns hier optimal. Ein starker Fokus meinerseits liegt auf Automatisierung und weiterer Digitalisierung. Automatisierung und Digitalisierung sind für uns kein Selbstzweck. Sie sollen gezielt Freiräume schaffen, damit Qualität, Kundennähe und Verlässlichkeit auch mit weiterem Wachstum erhalten bleiben.

Michael Stoller: «Mit dem Wissen aus der Sanitärpraxis und der Vertriebsstärke von David Kleiner [rechts im Bild] ergänzen wir uns hier optimal.»

Michael Stoller: «Mit dem Wissen aus der Sanitärpraxis und der Vertriebsstärke von David Kleiner [rechts im Bild] ergänzen wir uns hier optimal.»

Das patentierte Entkalkungsgerät Tornado von Restclean.

Das patentierte Entkalkungsgerät Tornado von Restclean.

Ein weiteres Thema, das wir aktiver verfolgen wollen, ist unsere Kommunikation. Wir wollen hier noch digitaler werden und unsere Präsenz online stark ausbauen. Damit möchten wir das Verständnis für unsere Dienstleistung noch aktiver schärfen und speziell auch die Nachhaltigkeit und den Schutz einer sehr wichtigen Ressource, des Wassers, noch mehr in den Fokus rücken.

 

Welche strategischen Prioritäten haben Sie für die nächsten 12–24 Monate gesetzt?

Restclean ist seit 2022 Teil der iTS Kanal Services AG. Die Kernkompetenz der Muttergesellschaft liegt in der Kanalreinigung, Sanierung und der Kanalinspektion. Diese Zugehörigkeit birgt enormes Potential, da wir so unsere Kunden seither nicht nur rund um die Toilette, sondern bis zur Kläranlage bedienen können. Eine wichtige strategische Priorität ist deshalb der gezielte Ausbau der internen Zusammenarbeit.

Hierbei werden bei Einsätzen beider Seiten Bedürfnisse der Kunden aufgenommen und bei Notwendigkeit einer Sanierung der Toilettenanlagen direkt Restclean avisiert. Im Umkehrschluss haben wir bei Problemen im Kanal die Möglichkeit direkt iTS am entsprechenden Standort aufzubieten. So können wir unsere Kunden in allen Belangen rund um den ganzen Wasserkreislauf neu noch effizienter, einfach und aus einer Hand bedienen.

Auch wenn wir aktuell an unserer Expansion nach Deutschland und Österreich arbeiten, ist für uns der Schweizer Markt nach wie vor ausbaufähig. Hierbei wollen wir unseren Fokus auf die bisher noch schwach bediente Romandie legen, zusätzlich streben wir eine intensivere Markbearbeitung der ganzen Schweiz mit Fokus auf Liegenschaftsverwaltungen und öffentliche Betriebe an.

Wachstum ohne Chaos ist wichtig: Wir sind heute mit rund 30 Mitarbeitern und unserem tiefen Leistungssortiment gut aufgestellt. Damit unser Wachstum funktionieren kann, müssen unsere Prozesse und Rollen mitwachsen können. Damit dies gelingt, investieren wir in Automatisierungen, Struktur, Ausbildungen und Führung. Und natürlich ist die Expansion im DACH-Raum eine elementare strategische Priorität. Hierbei wollen wir primär Institutionelle Kunden ansprechen. Mit einem schrittweisen Aufbau in grenznahen Regionen wollen wir gesund wachsen. Zusätzlich setzen wir auch im DACH-Raum auf die gezielte Zusammenarbeit mit iTS-Standorten, um unsere Bekanntheit weiter auszubauen. Mit der Expansion wollen wir auch prüfen, inwiefern unser breiter Onlineshop im EU-Raum smart eingebettet werden kann und dies entsprechend umsetzen.

 

Welche Märkte haben für Sie Priorität und haben die Vorarbeiten Ihrer Vorgänger in Deutschland bereits konkrete Ergebnisse gezeigt?

Wie bereits erläutert, fokussieren wir uns aktuell auf Deutschland und Österreich. Im Fokus stehen aktuell B2B-Kunden in grenznahen Regionen wie Süddeutschland, Vorarlberg und Tirol. Hier können wir auf Grund der Nähe zur Schweiz logistisch effizient arbeiten und uns weiterentwickeln. Zusätzlich planen wir gemeinsam mit der iTS-Gruppe - in Regionen mit viel Kalk – wie zum Beispiel Düsseldorf, unsere Expansion. Diese Zusammenarbeit, bei welcher der Grundstein mit dem Verkauf von Restclean gelegt wurde, unterstützt uns etwa beim regionalen Verständnis, bei Kontakten und auch bei Fragen, wie wir unsere Service Organisation vor Ort aufsetzen.

Wir sind in beiden Ländern bereits mit einer Webpräsenz aktiv und haben in Österreich einen erfahrenen Vertriebsmitarbeiter, der die Akquise sowohl in Österreich aber auch in Deutschland vorantreibt. Unterstützt wird er von David Kleiner in seiner Funktion als Verkaufsleiter DACH und zusätzlich auch durch mich. Hierbei können wir auf bereits gegründete Gesellschaften und einzelne Testkunden in den jeweiligen Regionen zurückgreifen. Letztes Jahr durften wir bereits knapp 1000 WC-Anlagen sanieren.

 

Welche Herausforderungen erwarten Sie bei der Internationalisierung?

Eine zentrale Herausforderung sind sicherlich die Unterschiede in den Gewohnheiten und Erwartungen an einen Serviceanbieter in Deutschland und Österreich im Vergleich zur Schweiz. In der Schweiz ist Restclean und unser Servicemodell über die Jahre gewachsen. In den neuen Ländern müssen wir zuerst Vertrauen aufbauen. Die Schweizer Qualität hilft hier sicherlich aber darauf können und wollen wir uns nicht ausruhen.

Eine weitere Herausforderung, die ich sehe, ist die Skalierung an sich. Mit unserem Wachstum im kompletten DACH-Raum steigt auch die Komplexität. Mehr Einsätze, mehr Materialbewegungen, mehr Ersatzteile und mehr Abstimmung. Deshalb ist hier unser Ansatz, dass wir in den Regionen ein stabiles Volumen aufbauen können. Sobald dieses erreicht ist, können wir personell und strukturell nachziehen. Mit diesem Ansatz verspreche ich mir gesundes und nachhaltiges Wachstum von Restclean im DACH-Raum.

Was auch nicht zu unterschätzen ist, sind die räumlichen Differenzen zur Schweiz. Die Distanzen, die ein Servicetechniker in Deutschland oder Österreich zurücklegen muss, sind per se schon mal viel grösser. Da ist man dann nicht einfach schnell mal – falls Material fehlt – im Lager in Oberlunkhofen und dann wieder beim Kunden. Auch hier ist deshalb unser aktuelles Logistikkonzept elementar, um genau auch diesen Anforderungen gerecht zu werden. Hinzu kommt wo immer möglich eine smarte Ballung von Aufträgen im selben Gebiet. Nur so erreichen wir dieselbe Effizienz und Nachhaltigkeit wie in der Schweiz. Dabei wird auch entscheidend sein, in welchen Regionen unsere künftigen Servicetechniker stationiert sein werden.

Somit kommen wir direkt zu einer weiteren nicht unwichtigen Herausforderung: Dem Personal. Wer qualifizierte Leute sucht, weiss, dass es in vielen technischen Berufen aktuell nicht ganz einfach ist. Wir suchen im Moment im Süddeutschen Raum einen Techniker mit Verkaufsflair. Nach absolvierter Ausbildung in der Schweiz, können wir dann auch in Deutschland und Österreich unsere gewohnte Qualität gewährleisten.

 

Wie möchten Sie das Team motivieren und weiterentwickeln?

Für mich ist ein offener Dialog zentral. Nicht nur bei negativen Themen, sondern ebenso bei positiven. Ich bin davon überzeugt, Motivation entsteht, wenn Leute wissen, wofür sie arbeiten und wenn sie merken, dass ihr Beitrag zählt. Ich durfte ein meist langjähriges, eingespieltes Team übernehmen. Ich sehe es als meine Aufgabe, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, damit jeder seine Stärken einsetzen kann und somit motiviert ist. Wenn Mitarbeiter glücklich sind, sind diese motivierter und leisten für unsere Kunden einen guten Service und dies wiederum führt zum gemeinsamen Erfolg. Für die Expansion ist es langfristig sicher wichtig, in Regionen zu denken und dazu auch den Mitarbeitern die nötige Unterstützung und Weiterbildungen zur Verfügung zu stellen, damit diese in die Rollen wachsen können.

 

Welche Rolle spielt die bestehende Unternehmenskultur für Sie?

Die bestehende Kultur ist für mich elementar. Wie ich bereits erläutert habe, hat jeder Mitarbeiter seine Aufgabe und erledigt diese selbständig und mit voller Verantwortung. Jeder ist ein wenig sein eigener Chef. Diese Kultur basiert auf Vertrauen, Willen und dem Können jedes einzelnen von uns. Darin liegt meines Erachtens auch die Motivation. Und genau auf diesem Fundament bauen wir weiter auf.

 

Planen Sie strukturelle Änderungen oder neue Rollen?

Was wir umgestellt haben, ist wie bereits erwähnt der Split der Geschäftsleitung mit klaren Verantwortungsbereichen. Zusätzlich denken wir im Verkauf auch vermehrt regional mit 3 technischen Beratern für den Westen, Mitte und Osten, die sowohl für bestehende als auch neue Kunden im Verkaufsprozess beratend und lokal zur Verfügung stehen. Zusätzlich fungieren diese 3 Mitarbeiter auch als Servicetechniker und unterstützen ihre Kollegen in den Regionen operativ. Weitere Änderungen sind im Moment nicht geplant.

 

Welche neuen Chancen wollen Sie besonders nutzen?

Wo ich klar noch mehr Fokus legen möchte, ist unser Angebot an Verwaltungen zu optimieren. Vielen Verwaltungen ist oft gar nicht bewusst, dass Restclean existiert. Zusätzlich bieten wir ein ABO-Modell und Wartungsverträge für Liegenschaften an. Was viele nicht wissen, ist dass diese Kosten über die Nebenkosten der Liegenschaft abgerechnet werden können.

Wir haben bereits mehrere Verwaltungen, die das so praktizieren. Somit kann nicht nur ein potentiell kostspieliger Ersatz einer Toilette verhindert werden, sondern auch direkt oder indirekt die Renditeperiode eines Objekts allenfalls verlängert werden. Und obendrauf sind die Mieter langfristig zufrieden, was den Verwaltungsaufwand nochmals reduziert. Dazu erarbeiten wir aktuell eine massgeschneiderte Lösung, die wir dann auch aktiv am Markt bewerben möchten.

Wie bereits erwähnt, sind natürlich auch die Synergien mit der iTS-Gruppe eine wichtige Chance, die wir gezielt nutzen werden.

 

Gibt es Innovationen oder Partnerschaften, die Sie bereits ins Auge gefasst haben?

Wir arbeiten ja aktuell an diversen spannenden und Innovativen Projekten mit dem Ziel, unsere Servicetiefe nachhaltig zu erweitern. Vielleicht sitzt man bald auf einer Toilette im Zug oder Flugzeug, die durch Restclean gewartet wurde.

 

Wo möchten Sie mit Restclean in fünf Jahren stehen?

Wir wollen im ganzen DACH-Raum für denselben verlässlichen, professionellen Service stehen, der Restclean in der Schweiz stark und bekannt gemacht hat.

 


Zur Person

Michael Stoller (36), Geschäftsführer von Restclean, ist in Bern geboren und bringt langjährige Führungserfahrung aus grossen Dienstleistungsunternehmen und dynamischen Wachstumsumfeldern mit, unter anderem aus Stationen bei UPC und Sunrise sowie als Geschäftsführer eines Software Start-ups. An Restclean reizt ihn besonders die Verbindung aus technischem Spezialwissen, hohem Kundennutzen und der Chance, ein stark positioniertes Schweizer Unternehmen im DACH-Raum weiterzuentwickeln.

Mit einem Bachelor in Business Administration und der Lean-Six-Sigma-Black-Belt-Zertifizierung will er Abläufe so weiterentwickeln, dass Qualität messbar bleibt, der Service weiterhin verlässlich funktioniert und Restclean seine Position als führender Spezialist im deutschsprachigen Raum weiter ausbauen kann.


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